Die gute Nachricht: Es geht wieder besser. Der Bluterguss ist fast weg und ich kann nahezu beschwerdefrei humpeln. Lediglich das Treppensteigen bedarf noch etwas Vorsicht. Langsam aber sicher fängt die Verletzung an zu nerven. Und ich merke von Tag zu Tag, wie sehr mir das Laufen doch fehlt.

In den ersten Tagen war das Nicht-Laufen ganz einfach. Ich glaube, zusätzliche Erholungstage außer der Reihe fallen gar nicht so schwer. Doch bereits am Sonntag nach meinem Außenbandanriss – am vierten lauffreien Tag in Folge – kribbelte es mir in den Beinen. Ich war nervös und hibbelig, ohne erkennbaren Grund. Vor allen Dingen war mir ziemlich langweilig.

Die Schiene nervt

Am Abend dämmerte mir dann: Ja, da fehlt jetzt einfach die Müdigkeit aus dem 3-stündigen Longrun. Wie soll das nur weiter gehen? Im Verlauf der nächsten Tage wurde meine Laune von Tag zu Tag schlechte. Hinzu kam eine immer größer werdende Lustlosigkeit. Ich hatte kein Bock mehr, morgens aufzustehen ins Büro zu gehen, oder auf sonst irgend etwas.

Diese blöde Schiene, die nervt auch unendlich! Entweder ist sie zu eng und schnürt mir den Fuß ab. Oder sie sitzt zu tief und ich kam mir beim Humpeln vor wie eine Figur aus einem schlechten Horrorfilm. Die klassische, unerkannte Silhouette, von der man immer nur das „Klock! – Klock! – Klock!“ hört, wenn das Holzbein aufsetzt. Oder aber die Schiene hat gejuckt und gerieben und mich so in den Wahnsinn getrieben. Vom Schlafen will ich gar nicht erst anfangen, egal wie man liegt: Das Ding ist einfach unbequem.

Am Ende kann ich aber ganz froh sein, dass ich eine Schiene habe und keinen Gips. So kann ich die Schiene Abends vor der Glotze mal für eine Stunde abnehmen und habe dann wenigstens etwas Ruhe davon. Gips ist wohl mittlerweile total neunziger – und noch unbequemer.

Meine Laune sinkt proportional zum Laufumfang

Fällt wohl auch erst mal eine Weile aus: Alternativsport.

Meine Laune und meine Stimmung wurden zunehmend schlechter. Nie war mir das selbst so schnell und so deutlich aufgefallen wie dieses mal. Klar, habe ich alle Jahre wieder eine Erkältung und verzichte aufs Laufen. Mit Erkältung ist man(n) sowieso leicht depressiv, da fällt das nicht so sehr auf. Auch bei meiner Laufpause wegen der Entzündung in der Ferse war das anders: Da hatte ich gelegentlich Schmerzen, auch ohne mich zu bewegen. Das verringerte an sich schon mal die Lust, Laufen zu gehen.

Mit dem Außenbandanriss ist das aber anders. Eigentlich habe ich gar keine Schmerzen. Okay, ab und zu pochte der Bluterguss ein wenig und hat gedrückt – aber hey: Das hatte ich nach manchen Marathons auch schon, ganz ohne Verletzung. Der Fuß tut eigentlich nur weh, wenn ich ihn nach links oder rechts aus dem Sprunggelenk drehe, oder mein Gleichgewicht gegen ein Gefälle stützen muss. Seitlich abschüssige Fuß- und Radwege und so. Spitze! Nicht.

Couching ist kein Sport zum glücklich werden

Um dem ein Ende zu setzen beschloss ich nach einer Woche Pause, mich im Fitnessstudio aufs Rad zu setzen. Besser als nichts. Ein wenig Bewegung und zumindest ein bisschen Arbeit für Herz und Kreislauf. Und für den Stoffwechsel. Denn in dieser ersten Woche hatte ich mir gefühlt 5 Kilo angefressen.

Ich nahm mir vor, jeden Tag eine Stunde zu radeln, damit ich zumindest vom Zeitumfang in etwa auf mein wöchentliches Laufpensum komme. Ein Plan für mein Gewissen und für die Hoffnung, beim Frankfurt Marathon Ende Oktober doch noch an den Start gehen zu können. Nach den ersten beiden Tagen auf dem Rad war der Bluterguss bereits ordentlich zurück gegangen. Vier Tage später war vom ihm fast nichts mehr zu sehen!

Am Dienstag machte ich dann einen Tag Pause, das tat auch mal ganz gut. Ich merkte, dass auch das Radfahren irgendwie müde macht. Und das, obwohl ich mich nach dem bisschen Anfänger-Spinning kaum stärker belastet fühle wie nach einer Stunde GA1-Lauf (bis 70% der HFmax).

Vorsicht bei der Bewegungstherapie

Auf dem Rad aufzustehen kommt derzeit absolut nicht in Frage. Das ist mir noch zu unsicher. Beim Treppensteigen merke ich ja ein bisschen, wie viel Belastung die Bänder schon aushalten bevor es weh tut. Im Sitzen kann ich den Fuß einfach so mitnehmen und schon mit ganz wenig Kraft in die Pedale treten. Im Stehen muss ich mindestens mein Eigengewicht sauber stützen können, ohne in der Pedale weg zu rutschen. Näh! Kein Risiko dafür.

Genau so das Radfahren an der frischen Luft. Das wäre sicher viel geiler, aber bei den ganzen Passanten und Hunde-Gassi-Gehern die da rumlaufen – lieber nicht. Genau dann passiert mir nämlich, dass ich mit dem Rad weg rutsche oder bremsen und anhalten und mich auf dem kaputten Fuß abstützen muss. Schönen dank, ich verzichte gerne.

Lange kann es nicht mehr dauern

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Good Morning Frankfurt.

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Optimales Laufwetter, das ich nicht nutzen kann.

Man spürt ja, dass es morgens wieder etwas frischer wird. Angenehme Temperaturen bis 20 Grad, ein klarer Himmel ohne Wolken und vor allen Dingen ohne Regen. Und dazu nur wenig Wind. Perfektes Laufwetter, das ich nicht nutzen kann. Das ärgert mich ganz schön. Ich fürchte ja, dass sobald ich wieder ins Lauftraining einsteige, das feucht-kalte Herbstwetter einsetzt.

In manchen Augenblicken habe ich das Gefühl, ich könnte schon ganz gut ohne die Schiene laufen. Ich habe aber Angst davor, dass ich dann einen Moment unkonzentriert bin, nicht aufpasse und eine falsche Bewegung mache. Teppichschwellen zum Beispiel können nämlich ziemlich schmerzhaft sein, wenn man die falsch erwischt. Oder kleine Absätze bei Podesten, Treppen, Fliesen oder ähnlichen, bei denen man einen Zentimeter ins Leere tritt, wenn der Vorfuß drüber hängt und sich abstützen muss. Nicht lustig.

Das muss halt jetzt aber irgendwie gehen, ne? Ich schaffe es ja auch, mich paar-und-vierzig Kilometer bei einem Marathon oder sogar 50 Kilometer am Rodgauer Feldrand entlang durchzubeißen. Dann werde ich wohl auch vier Wochen so ne blöde Schiene tragen und mit einer Gehbehinderung umgehen können, oder?

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