Der Urlaub, den wir mit dem Rennsteiglauf verbanden, fing eher suboptimal an. Das mit dem Campingvan hatte nicht geklappt und so mussten wir kurzfristig fast all unsere Pläne neu schmieden. Diesen Teil des Beitrags kannst du unter Mein Abenteuer Rennsteiglauf – ein Urlaub mit Hindernissen nachlesen. Nachdem wir ein paar Tage Zeit hatten, um uns mit der Situation zurecht zu finden, fing ich an, mich zu entspannen. Die Entspannung währte aber nur kurz, denn schnell stand der Höhepunkt dieser Reise unmittelbar bevor: Der Rennsteiglauf Supermarathon.

Obwohl wir die Kloßparty in Eisenach frühzeitig verließen und bereits gegen 21 Uhr in unserem Bungalow im Bett lagen, konnte ich nicht so richtig einschlafen. Eine Mischung aus Aufregung und absoluter Unmüdigkeit verhinderte das. Draußen dämmerte es noch und ich versuchte mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal so früh versuchte, zu schlafen. Es fiel mir nicht ein, dafür fiel ich gegen Mitternacht endlich ohne Umwege direkt in den Tiefschlaf.

Zwei Stunden später riss mich der Wecker aus dem Traumland. Sofort war ich hellwach, was eher untypisch für mich ist. Anstelle des Ausgeschlafenseins hatte ich viel mehr das Gefühl, nur kurz geruht zu haben. Sei es drum, etwa drei Tassen Kaffee später saßen wir im Auto auf dem Weg nach Schmiedefeld.

Nächster Halt: Eisenach

Eigentlich ist das total bekloppt: Wir fuhren Freitag von Schmiedefeld nach Eisenach und wieder nach Schmiedefeld zurück. Samstag früh fuhren wir dann erneut nach Eisenach um dieses Mal nach Schmiedefeld zu laufen. 300 Kilometer Strecke um gerade mal ein Viertel davon zu laufen.

Bereits am Vorabend hatten wir alles vorbereitet und gepackt. Nach dem Aufstehen mussten nur noch unsere Laufklamotten an und etwas drüber ziehen. Das machen wir eigentlich immer so, spart viel zeit morgens. Kerstin und ganz besonders ich sind morgens noch etwas tüdelig. Ich brauche etwa eine Stunde bis Hand-Augen-Koordination und Denkvermögen auf Betriebstemperatur angekommen sind. Wenn ich dann bereits unterwegs bin, bevor ich wach bin, habe ich mindestens die Hälfte daheim liegen lassen.

Gegen halb drei machten wir uns auf den 20-minütigen Fahrtweg nach Schmiedefeld. Am Ortsrand parkten wir unser Mietauto auf einem ziemlich vollen Parkplatz. Zum Glück war unsere Knutschkugel ein Cabrio, das zusammen gefaltet kaum mehr Platz als eine handelsübliche Telefonzelle benötigte – der ein oder andere Leser kennt diese Geräte sicher noch aus der Vergangenheit.

Ein langer Tag beginnt

Zehn Minuten Fußweg später waren wir an der Bushaltestelle in der Ortsmitte. Drei oder vier Busse standen bereit, um Läuferinnen und Läufer nach Eisenach zu transportieren. Zwar kamen wir fast als letztes dort an, aber fanden schnell einen Sitzplatz in einem der Busse. Um Punkt drei Uhr setzte sich die Buskolonne in Bewegung.

Während der Fahrt konnten wir beide nicht mehr wirklich schlafen. Zwar waren wir müde, aber im Bus war es ungemütlich genug, dass wir nicht richtig einschliefen. Ab und zu döste ich ein wenig vor mich hin. Schnell wurde ich dann aber von dem aufgeregten Geschnatter anderer MitfahrerInnen wieder aufgeweckt. Zudem war ich langsam auch einfach aufgeregt. Nicht zuletzt spielten da sicher auch die zwei bis drei Tassen Kaffee im Bungalow auch noch eine kleine Rolle mit.

Ziemlich genau gegen fünf Uhr morgens hielten die Busse am Eisenacher Marktplatz. Das Festzelt, wo am Abend zuvor die Kloßparty stattfand, war zu einer riesigen Umkleidekabine umfunktioniert worden. Wir zogen uns um, gaben unsere Kleiderbeutel ab und erkundeten ein wenig den Startbereich. Dass unsere Kleiderbeutel in LKW der Deutschen Post nach Schmiedefeld transportiert würden, fand ich eher wenig vertrauenserweckend. Wird schon schief gehen, dachte ich mir und hakte das damit einfach ab.

Hinter der Kirche entdeckte ich eine öffentliche Toilette, also eine richtige, kein Dixi-Klo. Zum ersten Mal an diesem Tag füllte ich meine Soft-Flask mit Wasser und gab gleich Kerstin bescheid, denn hier war die Schlange noch nicht sehr lang. Die ersten Verrückten, denen 74 Kilometer laufen offensichtlich nicht weit genug war, liefen sich auf der Gasse warm.

Während ich vor der Toilette auf Kerstin wartete, wurde bereits der Schneewalzer intoniert. Ich war kurz ein wenig betrübt, dass ich das verpasste. Zwei Minuten später war das dann aber auch irgendwie gar nicht mehr so wichtig. Als Kerstin wieder kam, sagte ich ihr, dass der Countdown bereits eingeleitet wurde und schnurstracks gingen wir zur Startlinie.

Run with the Flow

Da es am Marktplatz schon ziemlich voll war, sind wir irgendwie aus der Laufrichtung in den Startblock gekommen. Und wen trafen wir da? Na klar, den Flo! Er nutzte den Rennsteig Supermarathon als letzten langen Vorbereitungslauf für den Western States 100. Wir hielten noch einen kurzen Plausch und wünschten ihm viel Erfolg. Hat wohl genützt ;-)

Ganz vorne mit dabei: Kerstin (links im Bild). Daneben die beiden späteren Sieger Daniela Oemus und Flo Neuschwander (v.r.n.l.).

Schnell gingen wir nach hinten durch, wir wollten von den Profis ja nicht überrannt werden. Zum finalen Countdown hatten wir unseren Platz im Startblock gefunden. Die letzten zwei Minuten vor dem Start schunkelten wir uns mit dem Rennsteiglied auf unseren bisher längsten Lauf ein.

Unsere Ausrüstung für den Rennsteig Supermarathon

Wir hatten keine Ahnung, was uns wirklich auf dem Rennsteig erwartet. Die Höhenmeter konnte ich nicht so richtig einschätzen, Kerstin schon eher. Aber wir hatten keine richtige Vorstellung von der Streckenbeschaffenheit und erst recht nicht vom Wetter. Bert hatte in Rodgau etwas von Waldautobahn erzählt, an anderer Stelle haben wir etwas von einigen engen, single-trailigen Abschnitten gehört. Joar. Also kein asphaltierter Radweg, so viel war klar. Aber auch nicht viel mehr und nicht weniger.

Wir hatten gar nicht so viel Laufklamotten mit beim Rennsteig Supermarathon.

Das einfachste war die Wettersituation. Wir sind zwar bereits eine Woche vor dem Lauf zu Hause abgereist und haben da schon sämtliche Laufausrüstung für den Rennsteig Supermarathon eingepackt. Sicher war: Es würde nicht kälter als 10° werden. Das hat uns schon mal ein wenig Gepäck gespart und wir liefen in kurz-kurz. Zur Sicherheit hatten wir noch Armlinge und eine mikro-dünne, packable Laufjacke (Affiliate Link*) eingepackt. Die waren für den Fall, dass es morgens etwas frischer würde oder wir nach einem Regenschauer etwas zum überziehen bräuchten, um bei Gegenwind nicht zu sehr auszukühlen.

Bei geschätzten 20° im Regen hatten wir absichtlich auf eine spezielle Regenjacken verzichten. Ich habe noch keine getragen, die kein besserer Plastiksack mit Reißverschluß war. Nass würden wir sowieso werden, ob nun vom Regen, vom Schweiß oder vom Wasser zum Kühlen war dann letztendlich egal, also blieben die Regenjacken zu hause.

Unentschlossen war ich wegen der Socken. Ich hatte ein paar kurze Wrightsocks und ein paar lange (kniestrumpfartige) Kompressionssocken mit. Zum Lauf trug ich dann doch die langen Socken von CompressSport. Natürlich hatten wir beide auch eine Kopfbedeckung auf.

Verpflegung ist das Wichtigste

Zusätzlich trugen wir beide die Salomon ADV SKIN 12 Weste (Affiliate-Link*) zum Lauf. Hier hatten wir neben den Jäckchen und Armlingen noch genug Platz für Handy, die GoPro und unsere Laufverpflegung. Im Nachhinein betrachtet, hätte es auch ein deutlich kleinerer Rucksack oder Weste sein können, um das Wichtigste mitzunehmen – aber so was besitzen wir nicht. Also im Grunde glaube ich, hätte auch ein schmaler Bauchgurt für Handy und Autoschlüssel gereicht, denn die Verpflegungspunkte waren sehr dicht beieinander – aber dazu später mehr.

Als Verpflegung für den Lauf hatten wir jeder einen Riegel und genügend Tailwind-Pulver (Affiliate-Link*) zum Nachfüllen mit. Auch unsere Salztabletten (Affiliate-Link*), die wir eigentlich bei jedem langen Lauf (und im Sommer bei fast jedem Lauf) dabei haben sowie ein oder zwei Dextros für jeden waren in der Laufweste verstaut. Dazu hatte jeder von uns beiden noch ein oder zwei Gel Chips (Affiliate-Link*) dabei und Kerstin ihren obligatorischen Ersatz-Kaugummi.

Vor der Abreise in Frankfurt hatte ich mir  für den Rennsteiglauf acht Portionen für je einen halben Liter Tailwind abgepackt. Ich nahm tatsächlich aber nur fünf mit auf den Lauf. Ich dachte mir, das muss einfach reichen. Mit einem Tütchen kam ich schließlich im Ziel an, die anderen vier hatte ich unterwegs verbraucht.

In meiner Laufweste steckte immer eine mindestens halbvolle 0,5 Liter-Softflask. Kerstin nahm die kleinere 250 ml-Flasche mit. Zur Reserve, falls es richtig heiß werden würde, hatte ich noch eine leere, unbenutzte Softflask in der Weste verstaut. Die könnten wir mit zusätzlichem Wasser füllen, das wir trinken oder uns über den Kopf gießen konnten. Wir kalkulierten ein, unsere Flaschen regelmäßig an den Verpflegungsstellen aufzufüllen.

Unsere Verpflegungsstrategie: All you can eat

Die Verpflegungspunkte beim Rennsteig Supermarathon sind alle etwa 5 bis 8 Kilometer auseinander. Da wir aber keine Ahnung hatten, wie die Strecke dazwischen war, rechnete ich damit, dass wir im schlimmsten Fall eine Stunde von einem zum nächsten unterwegs sein könnten. Deshalb hatten wir immer etwas zu trinken für dazwischen mit.

Ansonsten nahmen wir uns vor: Ausprobieren was geht, was schmeckt und einfach weiter laufen. Kerstin ist etwas sensibel, was Verpflegung beim Laufen angeht und daher wollten wir vorsichtig sein. Uns war aber auch klar, dass sie mit stillem Wasser allein kaum ins Ziel kommen würde.

Während Kerstin von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle immer mutiger wurde und bis zum Ziel so ziemlich alles (außer Würstchen und Schmalzbrot) einmal durch probiert hatte, hab ich von Anfang an rein gehauen. Bereits am ersten VP gönnte ich mir direkt einen Becher Cola und etwas Obst. Kerstin hat an diesem Tag alles, was sie zu sich nahm super vertragen und überraschenderweise überhaupt keine Probleme gehabt. Ein Highlight auf den späteren Verpflegungspunkten war das Nutella-Toast, bei dem sogar schon der Rand abgeschnitten war.

Ich hingegen habe die (Wiener) Wurst, die ich bei Kilometer 26 gegessen habe, für den ganzen Rest des Laufs genießen können. Der Geschmack kam immer wieder hoch! Nach mehreren Stunden war das dann nicht mehr ganz so lecker.

Unter’m Strich hat das mit dem Essen und Trinken beim Rennsteiglauf für uns ganz gut geklappt. An und für sich hatten wir ernährungsmäßig keine Probleme.

Wie wir den Rennsteig Supermarathon erlebten, was wir uns vorgenommen haben und was dabei raus kam und was es dort außerdem an den Verpflegungspunkten zu futtern gab, liest du dann im nächsten Beitrag.

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