Das Jahr ist noch jung, der Winter hat noch gar nicht so richtig angefangen und schon steht das erste Wettkampfrennen vor der Tür: Der #rodgau50, oder genauer der 50 km Ultramarathon Rodgau 2018. Für mich ist dieser Lauf eine der wenigen festen Punkte in meinem Jahres-Wettkampf-Plan. Das liegt sicher nicht nur daran, dass ich mit der S-Bahn gemütlich morgens eine halbe Stunde unterwegs bin, um zum Start zu kommen.

Die Ultraläufe generell sind viel entspannter, als die Mainstream-Distanzen. Zumindest im Moment noch. Wer weiß, ob sich das mal ändert. Trailrunning erfähtr ja auch gerade einen riesigen Aufschwung und ist auf dem besten Weg in die totale Kommerzialisierung. Es eben einfach so, dass jeder seine Energie auf der Strecke lässt und bei allem, was nicht unmittelbar mit dem bewältigen der Distanz nichts zu tun hat, tiefenentspannt ist. Mir gefällt das! :-)

Der Pastaabend – die #twitterlauftreff Family-Reuinion

Für Kerstin und mich begann das Wochenende allerdings etwas hektisch. Bereits die Woche bis zum Lauf war ein wenig stressig, mit Terminen und Training vollgepackt. Am Freitag vor dem Ultramarathon in Rodgau tanzten wir zudem auch noch auf zwei Hochzeiten: Zuerst war die Siegerehrung des Mainlaufcup 2017 dran. Zwar gab es da für uns nichts zu holen, aber wir waren dort, um Lauffreunde zu treffen, ein wenig zu quatschen und natürlich auch, um unsere Medaille und das Finisher-Shirt abzuholen.

Eben noch im Frankfurter Römer die Mainlaufcup 🏅 Finisher-Medaille abholen und jetzt schon beim #twitterlauftreff #rodgau50 🍝 Pastaessen 🤩

Posted by Running Rob on Freitag, 26. Januar 2018

Für mich war es das erste mal auf der Siegerehrungs-Veranstaltung. Bisher hatte ich es nur zwei mal geschafft, die mindestens fünf Wertungsläufe des Cups mit zu machen. Beim anderen mal vor zwei Jahren, hatte ich auf die Medaille verzichtet und war … Essen! :-D

Denn nach ein paar netten Gesprächen und Drinks im Römer ging es statt an das Büffet nach Rodgau. Traditionell am Vorabend des Rodgauer Ultramarathon findet das Pastaessen des #twitterlauftreff statt. Für mich ist es die Gelegenheit, eine Vielzahl der Twitter-Leute in echt zu treffen. Das kommt ja selten genug vor! Ich weiß zwar nicht, ob es auch andere Läufe in Deutschland gibt, an denen ähnliche viele #twitterlauftreff-LäuferInnen am Start sind, aber mir kommt es im Rodgau immer wieder wie ein Familientreffen vor.

Eben noch im Frankfurter Römer die Mainlaufcup 🏅 Finisher-Medaille abholen und jetzt schon beim #twitterlauftreff #rodgau50 🍝 Pastaessen 🤩

Posted by Running Rob on Freitag, 26. Januar 2018

Also haben wir Pasta bestellt und die Wartezeit auf das Essen mit weiteren vielen Gesprächen und und Geschichten aus dem Läuferleben verbracht. Es hat mich riesig gefreut, alle wieder zu treffen und einige neue Bekanntschaften zu machen. Der Abend ging nicht so wahnsinnig lang, einige mussten ja noch ein paar Kilometer zur Übernachtungsstätte fahren. So war um 22 Uhr allgemeine Aufbruchstimmung. So waren Kerstin und ich zu einer gerade noch so handelbaren Zeit daheim, um unsere Sachen für den Ultramarathon zu packen. Unten führe ich ein paar Links zu den jeweiligen Blogbeiträgen auf, wer lesen mag … ;-)

Vielen Dank noch einmal an MagicMike für die tolle Organisation des Abendprogramms! :-)

Der Ultramarathon Rodgau 2018 – einmal Taktik wegwerfen, bitte

Am Morgen vor dem Lauf trafen wir uns in der Rodgauer Turnhalle wieder. Ich brauchte erst mal meine zwei obligatorischen Becher Kaffee, bevor ich mich an den Start traute. Hier und da wechselte ich noch ein paar Worte mit den #twitterlauftreff-Leuten oder anderen Bekannten. Dabei brachte mich Bert von Trailgrip.com auf eine Idee zu einer Wettkampftaktik, die mir spontan so gut gefiel, dass ich sie gleich übernahm.

Auf dem Weg zum Start des Ultramarathon Rodgau 2018 war es bereits neblig feucht und etwas matschig.
Auf dem Weg zum Start des Ultramarathon Rodgau 2018 war es bereits neblig feucht und etwas matschig.

Eigentlich wollte ich das Rennen so angehen: so lange es geht, einen 4:50er Schnitt oder knapp drunter laufen, damit ich irgendwie auf unter vier Stunden komme. Aber die besondere Herausforderung an Rodgau ist – neben dem offensichtlichen, der Distanz – dass es eben Ende Januar ist. Und das ist nun nicht gerade der optimale Zeitpunkt für ein Rennen. Weil man die so genannte Off-Season durchweg trainieren müsste.

Bert erzählte, dass er sich im vergangenen Jahr die 50 Kilometer in 30 Kilometer Grundlagentempo und 20 Kilometer „Alles, was noch irgendwie geht“ aufgeteilt hatte. Damit fuhr er recht gut und schaffte 4:19 Stunden auf die 50 Kilometer. Ich fand die Idee so einleuchtend und clever, dass ich sie direkt für mich adaptierte. Denn auch ich hatte mir eine kleine Lauf-Pause zwischen den Jahren gegönnt und war seit meiner OP im September eher so vollkommen planlos im Training.

So stapften wir kurz vor knapp in Richtung Start. Ich hatte natürlich mal wieder getrödelt und so wurde die Zeit langsam knapp. Wir legten unsere Taschen unter dem schützenden Waldhäuschen ab und ich brachte meine Streckenversorgung zum Eigenverpflegungsstand. Noch eine kurze Umarmung und die besten Glückwünsche von und für meine Liebste und dann war es so weit. Der erste Ultramarathon des Jahres, der erste Wettkampf 2018 stand unmittelbar bevor. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

Ich ging in den Startblock mit dem festen Vorhaben, streng nach Puls zu laufen. Erst Mitte Dezember hatte ich einen Laktattest gemacht und hatte daher ziemlich aktuelle Werte meiner Pulsbereiche. Im Grundlagentempo zu laufen hielt ich für zu wenig fordernd und für zu wenig erfolgsversprechend, um in Richtung Sub 4 Stunden zu laufen. Die paar langen Läufe im Grundlagentempo im Januar liefen nämlich so auf um die 5:45 hinaus.

Neue Taktik, neues Glück

Den ganzen Lauf über war es ziemlich neblig - ganz besonders in den ersten Stunden nach dem Start.
Den ganzen Lauf über war es ziemlich neblig – ganz besonders in den ersten Stunden nach dem Start.
Ich startete durch den nebligen Rodgauer Wald-Matsch im Übergangsbereich zwischen extensivem und intensivem Dauerlauf. Für die ersten 25 Kilometer beim Ultramarathon Rodgau 2018 kam zu meiner Überraschung ein recht gleichmäßiges Tempo von knapp über 5 Minuten pro Kilometer raus. In der sechsten Runde merkte ich jedoch, dass ich langsamer wurde, während ich weiter darauf achtete, dass der Puls um den entsprechenden Wert lag. Für die sechste Runde benötigte ich deshalb knapp zweieinhalb Minuten länger.

Das war dann auch der Zeitpunkt, wo ich irgendwie den Überblick verlor. Meine Uhr hatte ich auf die Pulsanzeige gestellt, die automatische Rundenanzeige nach jedem Kilometer ausgeschaltet. Im Wettkampf nehme ich die Runden oder Kilometer lieber manuell nach der Beschilderung. Auf das GPS kann man sich ja nicht verlassen! Jedenfalls wusste ich nicht so recht, ob ich schon in der fünften oder sechsten Runde war kam aber auch nicht auf die Idee mal umzublättern und nach zu schauen. Mir fehlte wohl etwas Zucker oder Sauerstoff – oder beides.

Jedoch fühlte ich mich super. Ich merkte zwar, dass ich zügiger unterwegs war als bei einem Grundlagenausdauerlauf, die ersten Ermüdungserscheinungen traten auf. Aber ich war zuversichtlich, dass ich auf den kommenden 20 Kilometern keine Probleme bekommen würde geschweige denn Gefahr laufen, dass ich abbrechen müsste.

Dann ließ ich die Wettkampfsau in mir etwas weiter aus dem Zwinger, in den ich sie die ersten zweineinhalb Stunden eingesperrt hatte. Ich dachte mir: Ok, dann gehst du jetzt in Richtung Laktatschwelle gehen. Das sollte eine Stunde lang möglich sein. Dann werde ich sehen, wieviel Stecke von den 50 Kilometern noch übrig ist.

Die Läuferkolonne des Ultramarathon Rodgau 2018 schiebt sich durch den Nebel.
Die Läuferkolonne des Ultramarathon Rodgau 2018 schiebt sich durch den Nebel.

Bis etwa zur Marathondistanz – meine Durchgangszeit dort war übrigens 3:31 – konnte ich etwa 15 bis 20 Sekunden schneller pro Kilometer laufen. Dann merkte ich aber, dass mir langsam der Saft ausging und ich immer langsamer wurde. Ich wollte nicht zu sehr übertreiben und dauerhaft oberhalb der Laktatschwelle laufen, deshalb blieb ich knapp drunter.

Den Verpflegungsstand habe ich beim Ultramarathon Rodgau 2018 fast immer rechts liegen lassen. Lediglich einmal hielt ich dort an, um mir einen salzigen Keks und ein Stück Müsli-Riegel zu nehmen. Das war wenig clever. Den Keks habe ich ungefähr drei Kilometer lang gegessen. Mein Mund war deutlich trockener, als er sich anfühlte und so klebte das Zeug die ganze Zeit im Mund und ich war damit beschäftigt, den Keks irgendwie von den Zähnen los zu bekommen. Mit dem Stückchen Müsli-Riegel verhielt es sich ähnlich. Das ganze Körnerzeug blieb überall hängen, ich habe mich sogar daran verschluckt. Das nächste mal nehme ich auf jeden Fall etwas zu trinken mit dazu!

Der #twitterlauftreff Supporter-Stand.
Der #twitterlauftreff Supporter-Stand.

Meine Trinkflasche hatte ich nämlich am Twitterlauftreff-Supporterstand abgestellt. Nach der zweiten oder dritten Runde hielt ich dort jedes mal an, um eine Kleinigkeit von meinem Tailwind (Affiliate-Link*) zu trinken. Dieser Getränkezusatz hat sich für mich auf den langen Läufen bewährt. Es ist dezent im Geschmack, schmeckt nicht so künstlich und gar nicht süß, so wie viele andere Getränkepulver. Trotzdem ist da alles drin, was man so braucht (scheinbar). Denn ich komme zumindest auf den lockeren Läufen allein damit klar und brauche keine weiteren Riegel, Gels o.ä. Ein netter Helfer hat mir zwischendurch sogar die Flasche wieder neu aufgefüllt. Tausend Dank nochmal, Tobias! Hastdu am 12./13.8. schon etwas vor? ;-)

Während der vorletzten und der letzten Runde ließ ich mir etwas mehr Zeit am Supporter-Stand. Trailrunner’s Dog Sascha war nebst Begleitung auf der Durchreise zur ISPO in München vorbei gekommen umd die Twitter-Gemeinde beim Ultramarathon Rodgau 2018 anzufeuern. Da es bei den Läufen für mich sowieso nur um die goldene Ananas geht, kann ich mir auch die ein oder andere Minute für ein kleines Pläuschchen nehmen. Oder um während des Laufens all die bekannten Gesichter zu grüßen und hier und da ein paar Worte zu wechseln.

Nach zehn mal im Kreis laufen ist es vorbei

Den ganzen Lauf über war ich gut gelaunt, zwischendrin habe ich sogar vergessen, in welcher Runde ich bin.
Und dann war es auch irgendwie ganz schnell vorbei. Nach vier Stunden und elf Minuten überquerte ich die Ziellinie. Vom #twitterlauftreff hatte ich nach und nach alle eingesammelt. Nur der Trailtiger hatte sich am VP wieder an mir vorbei geschlichen und war ein paar Minuten vor mir im Ziel. Den Laufspatz habe ich indes während des ganzen Laufs nicht gesehen. Zwischenzeitlich fragte ich mich, ob sie überhaupt an den start gegangen war. Hinterher trafen wir uns alle in der Turnhalle auf Kuchen, Suppe und Bier wieder. Da wusste ich jedoch nicht, dass sie eine über eine Viertelstunde vor mir im Ziel angekommen war. Respekt! Kein Wunder, dass ich sie nicht gesehen hatte, wenn sie die ganze Zeit vor mir herlief.

Nach meinem Finish genoss ich erst mal ein Bierchen an der Zielverpflegung. Oder zwei, oder drei. Waren ja nur kleine Becher ;-) Ich zog mir schnell trockene Klamotten an und ging zurück in Richtung Ziellinie. Ich spürte zwar die 50 Kilometer in den Beinen, aber längst nicht so arg wie die Jahre zuvor. Es war wohl eine gute Entscheidung, den Lauf trotz aller Vorhaben etwas ruhiger anzugehen. So war ich nicht ganz im Eimer und konnte noch halbwegs normal gehen. An der Startliniene wartete ich nämlich auf Kerstin, wollte sie anfeuern und hatte ihr verprochen, die letzte Runde noch mit ihr zu laufen.

Der bunte Eigenverpflegungsstand war dieses mal sehr voll. Kein Wunder, verzeichnete der Lauf doch über 1.000 gemeldete Teilnehmer.

Sie muss kurz vor meinem Zieleinlauf die Rundenmatte überquert haben. Fast eine halbe Stunde lang wartete ich. Dabei merkte ich, wie frisch es tatsächlich war. Bei Laufen merke ich das ja nicht so wirklich – obwohl ich so eine Frostbeule bin. Dann kam sie endlich vorbei und ich freute ich wahnsinnig, sie zu sehen. Ich jubelte ihr zu und zauberte ihr ein Lächeln ins Gesicht. Schnell rannte ich zur Zielverpflegung, holte einen warmen Tee und nahm die Abkürzung durch den Wald zum offiziellen Verpflegungsstand. Ich drückte ihr den Tee in die Hand, holte meine Flasche und lief die letzte Runde mit ihr und Dennis, den sie irgendwo unterwegs kennen gelernt hatte, zusammen. Naja, nicht die ganze Runde. Das schmale Stück an der 180-Grad Kehrtwende habe ich ausgelassen. Diese kurze Wartezeit nutzte ich, um den anderen Läuferinnen und Läuferinnen die noch auf der Strecke waren zu applaudieren und (hoffentlich) motivierende Worte mit auf den Weg zu geben.

Nach etwas mehr als fünf Stunden war dann auch Kerstin mit ihrem ersten Ultra dieses Jahres fertig. Ich glaube, sie hat sich zwischenzeitlich ganz schön gequält. Aber nicht nur deswegen bin ich ganz schön stolz auf sie. Immerhin hatte sie sich gerade erst von einer Grippe auskuriert und langsam wieder in einen Trainingsrhythmus gefunden. Und unabhängig von der Zeit wollen auch 50 Kilometer erst mal zu Fuß bewältigt werden.

Wir gingen duschen und trafen uns in der Turnhalle wieder. Dort gab es erst mal eine heiße Suppe, etwas Kuchen und ein Weizenbier. Und natürlich viele neue Geschichten voll allen Bekannten – denn jeder hatte jetzt von einen weiteren großen, tollen Lauf zu erzählen :-)

Was die anderen vom #twitterlauftreff so über ihren #rodgau50 schreiben:

Alle Fotos von meinem Rodgau-50 Ultramarathon 2018

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Ein Kommentar

  1. Schön geschrieben! Ich hab mich übrigens auch gefragt, wo du bist.
    Dachte, du bist in meiner Nähe! Hab mich gefreut, euch wieder zu treffen
    Gute Erholung ( ich huste noch etwas, alles wie immer )

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