Was für ein Lauf! Ich hatte mir eigentlich gar nichts vorgenommen und schwankte bis zum Start noch mit der Überlegung, ob ich auf Zeit laufen sollte oder lieber einen gemütlichen langen Lauf draus mache. Ich fühlte mich eigentlich recht fit und beschloss, es einfach zu probieren. Und siehe da: War gar nicht mal so schlecht.

Mein Training in den vergangen Wochen lief eher suboptimal. Nach dem 50km-Ultramarathon in Rodgau hatte ich zwei Wochen aussetzen müssen, weil eine Erkältung das Laufen verhinderte. Deshalb konnte ich erst in der vergangenen Woche den ersten Intervalllauf unternehmen und fürchtete, dass ich einfach noch nicht so weit bin, um Bestzeiten zu jagen.

Nachdem ich mich in Ruhe umgezogen hatte und noch genug Zeit für einen Kaffee und ein kleines Fotoshooting hatte, begab ich mich auf den Vorplatz des Stadions um mich unter die vielen anderen LäuferInnen zu mischen und mich ein wenig warm zu laufen. Ich kam mir eigentlich ganz gut vor und hatte so langsam das Gefühl, dass ich heute doch mehr schaffen könnte als ich mir ursprünglich zutraute. Nach den knapp 15-minütigem lockeren Traben und Lauf-ABC für Faule begab ich mich dann in die Startaufstellung.

Wieder ein verkorkster Start

Ich reihte mich in den Abschnitt für die Zeit 1:35 bis 1:45 ein, einen neuen Rekord traute ich mir zwar nicht zu, aber 1:45 hielt ich für realistisch. Um 10 Uhr ging es dann Knall auf Fall: Ähnlich wie schon beim Frankfurt Marathon war der Start total verkorkst. Zuerst war der Start der Eliteläufer erst um 10:01. Dabei wurde dann der Countdown noch abgekürzt und der Startschuß fiel schon bei 1, statt erst bei null. Ob der Lauf so noch als Meisterschaftsrennen gelten darf? Und zu allem Überfluß kam der Start der Amateure nur knapp zwei Minuten später, statt der eigentlich vorgesehenen fünf Minuten. Der Start war so verkorkst, wie das ganze Vorgeplänkel: Von Stimmung oder Motivation durch die Lautsprecher habe ich dieses mal irgendwie gar nichts gemerkt.

Vom Start weg lief es zunächst ganz gut. Da vor mir ungefähr 100 Meter Platz waren – keine Ahnung, wo die restlichen Leute waren, die hatten wohl die Uhrzeit verpennt – hatte ich ein Stückchen freie Bahn und konnte so die erste enge Passage in der S-Bahnunterführung ohne fremde Ellenbogen in den Rippen überstehen. Hier tauchte plötzlich neben mir ein Zug-Läufer auf. Es hat einen Moment gedauert, bis ich auf den Ballon gucken konnte, wie schnell der denn laufen will: 1:35:00 war seine Ansage. Der kommt genau richtig, dachte ich mir.

Ich mach es wie alle anderen: Schnell anfangen und dann immer langsamer werden

Nach etwa 7 Kilometern im Rennen war ich ein wenig überanstrengt und versuchte das Tempo zu drosseln. Foto © Tomás Ortiz Fernandez, mit freundlicher Genehmigung.
Nach etwa 7 Kilometern im Rennen war ich ein wenig überanstrengt und versuchte das Tempo zu drosseln.

Foto © Tomás Ortiz Fernandez, mit freundlicher Genehmigung.

Die ersten beiden Kilometer war ich noch ein wenig übermütig: Ich wollte so schnell wie möglich aus dem dichten Läuferfeld raus und habe etwas überzogen. Dass ich die 4:15min/km nicht lange halten können würde, war mir schnell klar. Zu allem Überfluss bin ich auch noch beinahe gestolpert als ich an der Bordsteinkante abgerutscht bin. Ich wollte von der breiten Straße auf den schmaleren Fußweg wechseln, wo kaum jemand lief. Als ich dann das Tempo etwas raus nehmen wollte, holte mit der besagte Zugläufer wieder ein und ich dachte mir: Naja, der ist ja etwas langsamer. Ich lauf dem jetzt einfach mal ne Weile hinterher.

Gesagt getan. Mit einem 4:25er Schnitt bin ich etwa vier bis fünf Kilometer mitgelaufen. Nach dem siebten Kilometer war dann für mich aber Schluss, das war mir einfach zu viel. Immerhin konnte ich die sieben in nur knapp 30 Minuten hinter mich bringen, aber ich wollte ja auch ankommen und nicht irgendwo später erschöpft zusammen brechen. Also reduzierte ich das Tempo ein wenig und versuchte mit einem 4:45er Schnitt weiter zu laufen.

Das hat an und für sich ganz gut geklappt. Jedoch hatte ich dann nach weiteren sechs Kilometern wieder das Gefühl, dass ich das Tempo nicht bis zum Ende durchhalten würde. Für die 13 Kilometer hatte ich nicht ganz eine Stunde, oder genau gesagt: 59:48 Minuten, gebraucht. In Meiner Kopfrechnung hatte ich jetzt entspannte 45 Minuten Zeit für die letzten sieben Kilometer. Ein 5:00er Schnitt schien mir angemessen zu sein – das würde 35-einhalb Minuten für die restlichen 7,1 Kilometer bedeuten. Damit hätte ich meine persönliche Bestzeit immer noch locker im Sack.

Die Wende kam kurz vor dem Wendepunkt

Beim Verpflegungsstand bei Kilometer 15 ging mir dann aber doch die Puste aus. Ich musste einfach kurz mal verschnaufen. So habe ich gemütlich allerhand Zeugs von dem Stand getrunken und sogar kurz überlegt, ob ich eine Banane essen will. Als ich die dann gerochen habe, hab ich mich dann doch dagegen entschieden. Seit meiner letzen Marathon.Vorbereitung wird mir irgendwie immer schlecht, wenn ich Bananengeruch in der Nase habe.

Kurz vor dem Ziel habe ich noch mal ein wenig Gas gegeben - das ging schon auf die Puste, wie man hier rechts im Bild sieht. Foto © Tomás Ortiz Fernandez, mit freundlicher Genehmigung.
Kurz vor dem Ziel habe ich noch mal ein wenig Gas gegeben – das ging schon auf die Puste, wie man hier rechts im Bild sieht.

Foto © Tomás Ortiz Fernandez, mit freundlicher Genehmigung.

Knapp zwei Minuten dauerte meine Gehpause, bevor ich mich wieder lief. Aber dann interessanterweise super rund, irgend etwas muss ich an meinem Laufstil geändert haben. Ich schien von jetzt an viel ökonomischer zu laufen: der 4:45er Schnitt war locker machbar und fühlte sich angenehm an. Dabei hatte ich einen *entspannten* Puls von knapp 184 Schlägen – vorher waren es um die 190, teilweise sogar mehr, das war halt nicht mehr angenehm. Jetzt aber war das ganz locker und regelrecht entspannt.

Die Laufdaten belegen auch, dass ich meinen Laufstil geändert habe: Nach dem Einbruch bei nach 15 Kilometern – in der Gehpause hatte ich wohl keine hohe Schrittfrequenz ;-) – stieg meine Schrittfrequenz von rund 174 auf 180 Schritte pro Minute an. Schade, dass mir die Uhr und das Tool nicht die Schrittlänge ausgeben, sondern nur als Mittelwert über die Gesamtstrecke errechnen. Mich würde brennen interessieren, wieviel kürzer meine Schritte im Vergleich zu vorher waren – und ob sie es überhaupt waren.

Der neon-gelbe Blitz bin ich. Das Video kommt von davengo, die das Zeitmessystem für diesen Lauf zur Verfügung stellten. Link zur Quelle.

Nach dem 15. Kilometer lief es also locker flockig bis ins Ziel. Die letzten 1,5 Kilometer habe ich mich dann sogar getraut, das Tempo noch einmal leicht zu steigern. Das war am Anfang des Abschnitts, als es von der Fußgängerbrücke bergab ging, auch nicht allzu schwer. Der 4:30 Schnitt wurde schnell ziemlich anstrengend, ich dachte mir aber Ach komm, die letzten paar hundert Meter geht das noch! – und das tat es. Am Ende konnte ich beim Zieleinlauf im Stadion sogar noch einmal richtig Gas geben und einen amtlichen Schlussspurt hinlegen. Bei dem hatte ich etwa einen 3:00er Schnitt. Umgerechnet also 20 km/h – was aber immer noch zu langsam ist um die Kenianer an der Spitze zu ärgern :-)

Nur drei Minuten an der PBZ vorbei

Schlussendlich stand nach 21,1 Kilometern 1:39:39 auf der Uhr. Ich war glücklich, dass ich mich doch getraut habe auf Zeit zu laufen. Am Tag zuvor hätte ich nie gedacht, dass ich unter 1:40 komme sondern insgeheim mit irgendwas zwischen 1:50 und 2:00 gerechnet. Mir bleibt aber schleierhaft, was ich ab Kilometer 15 anders gemacht habe, dass ich dort effizienter gelaufen bin. Da werde ich die nächsten Wochen mal auf Forschung gehen.

Was mich am Ende noch ein wenig geärgert hat ist, dass viele Läufer scheinbar so kaputt sind, dass sie genau hinter der Ziellinie stehen bleiben müssen und dort in ihren Grüppchen einen kleinen Plausch halten müssen. So muss man bei der Überquerung des Ziels abrupt stehen bleiben, um die anderen nicht über den Haufen zu laufen. Das ist nicht sehr rücksichtsvoll, wie ich finde.

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