Planänderung: Boston hat mich angefixt

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An dieser Stelle wollte ich ursprünglich meine grobe Trainingsplanung für mein 100-Meilen-Projekt zeigen. Doch wie heißt es so schön: Life is what happens, while you’re making other plans. So habe ich mich nun doch dafür entschieden, zuerst die Qualifikation für den Boston Marathon in Angriff zu nehmen. Da ich die 100 Meilen erst in 2019 laufen will, bleibt trotzdem genug Zeit um beides zu realisieren. Sofern das mit Boston beim ersten Versuch klappt

Warum ausgerechnet der Boston Marathon?

Ich habe keine Ahnung mehr, wie ich darauf kam. Der Boston Marathon ist einerseits der älteste Stadtmarathon der Welt und andererseits der einzige Marathon, der seit seiner ersten Auflage 1897 durchgängig stattfand. Trotz Krieg, trotz Wirtschaftskrisen, trotz Bombenanschlag. Damit ist ist er ein Stück weit der Inbegriff der Läufer-Philosophie: Egal, wie schlecht es auch mal laufen kann: Lass dich nicht unterkriegen, der nächste Lauf klappt wieder besser.

Darüber hinaus war es auch der Boston Marathon, bei dem mit Katherine Switzer die erste Frau überhaupt einen Marathon offiziell lief.

Wie qualifiziere ich mich für den Boston Marathon?

Die Teilnahme am Boston Marathon ist jedoch heiß begehrt. Wie bei vermutlich jedem anderen Marathon gibt es eine begrenzte Teilnehmerzahl. Aus den verschiedensten Gründen ist der Lauf aber so heiß begehrt, dass es deutlich mehr potentielle Teilnehmer als Startplätze gibt. Irgendwann hatten sich die Veranstalter eine Lösung ausgedacht, die bis heute Bestand hat. Statt wie beim Berlin Marathon die Startplätze per (*räusper*) Zufall zu verlosen, gibt es Qualifikationszeiten. Diese muss Mann oder Frau, je nach Altersklasse, nachweisen können, um sich um einen Startplatz bewerben zu können.

Die Qualifikationszeit kannst du aber nicht bei jedem beliebigen Marathon erlaufen. Der Qualifikationslauf muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit deine Zeit anerkannt wird. So kann ich mich mit meiner Teilnahme am Darmstädter Knastmarathon leider nicht qualifizieren, sondern musste mir einen anderen Marathon suchen, der anerkannt wird.

Der Boston Marathon findet jedes Jahr gegen Ende April statt. Um sich für diesen zu qualifizieren, muss die entsprechende Zeit immer bis Mitte September des Vorjahres gelaufen werden. Denn ab diesem Tag gilt die Qualifikation bereits für den übernächsten Boston Marathon. Die Qualifikationszeit darf also nicht älter als 18 Monate sein, muss aber mindestens 6 Monate zurückliegen. Du kannst dich also mit einer erfolgreichen Qualifikationszeit also nur für einen Marathon in einem bestimmten Jahr qualifizieren.

Meine Hürde hängt bei 3:10 minus x

Im Frühjahr heißt es wohl wieder klotzen und schwitzen, statt gemütlicher Langläufe.
Die Qualifikationszeit für den Marathon ist für beide Geschlechter je nach Altersklasse unterschiedlich und werden regelmäßig angepasst. Das Gute ist: Es gilt für dich die Altersklasse, in der du zum Zeitpunkt der Teilnahme des Boston Marathons bist. Für mich bedeutet das, dass ich 2018 bereits in der M35 gewertet würde und daher nur deren Zeit schaffen muss. Das sind 3:10 für den Marathon. In der Altersklasse 30-35 wären es 3:05.

Aufgrund des Bewerbungsverfahrens musst du aber schneller sein, als die eigentliche Qualifikationszeit. Denn die Anmeldung wird nach Unterbietung der Qualifikationszeit frei geschalten. Zuerst dürfen sich zum Beispiel (aus der Luft gegriffen) alle Läufer anmelden, die acht Minuten schneller sind als die Quali-Zeit. Dann alle, die fünf Minuten schneller sind. Dann alle, die drei Minuten schneller sind … und so weiter. So lange, bis die Teilnehmerzahl in der jeweiligen Altersklasse voll ist.

Es wird also nicht reichen, wenn ich nur ganz knapp die drei Stunden zehn auf der Marathondistanz schaffe. Ein paar Minütchen weniger sollten es schon sein. Und dann ist der Drei-Stunden-Marathon auch nicht mehr so weit weg. Deshalb habe ich direkt diese Zeit als neues Ziel definiert.

Meine Anpassung im Jahres-Trainingsplan

Vom Ultramarathon erst mal wieder weg, um die Marathonbestzeit zu attackieren..
Den Plan, den ich mir ursprünglich für den 100 Meiler ausgedacht hatte, kann ich damit vollkommen vergessen. Während ich für diese Ultradistanz nur Umfang, Umfang, Umfang klotze, muss ich für den 3h-Marathon Tempo, Tempo, Tempo machen. Folglich muss der Trainingsplan auch ganz anders aufgebaut sein.

Zuerst dachte ich, ich könnte schon Ende April in Hamburg oder Düsseldorf den Versuch starten, nach etwas mehr als drei Stunden die Ziellinie zu überqueren. Das halte ich aber für viel zu utopisch! Immerhin liegen zwischen meiner bisherigen Bestzeit und der magischen drei Stunden-Marke 22 Minuten!

Bis zum Herbst werden meine lange Läufe nicht mehr ganz so lang sein. Ein 40 Kilometer-Trainingslauf in der Marathonvorbereitung ist einfach Quatsch! Auch 80 Kilometer-Wochen sind im Dauerlauftempo nicht zielführend. Ich werde meine umfangreichen Laufwochenenden verkürzen und dafür unter der Woche verstärkt Schnelligkeit und Tempohärte trainieren.

Leider fällt dieser Planänderung auch meine Idee, bei der Müritz-Umrundung mitzumachen, hinten runter. An und für sich hab ich da richtig Bock drauf! Jedoch ist es unrealistisch, drei Wochen vor dem Qualifikations-Marathon einen 75 Kilometer langen Ultramarathon zu laufen. Sei es ein noch so lockerer Lauf! Das finde ich ganz schön schade. Der Lauf rund um den Müritz-See wird aber auch 2018 mit Sicherheit stattfinden.

Salami-Taktik is the key!

Ich Schnitt mir mein Ziel in kleinere, verdauliche Häppchen und plane nun etwas länger in die Zukunft. Ich habe herausgefunden, dass die letzte Möglichkeit, mich für den 2018 Boston Marathon zu qualifizieren der Münster Marathon am 10. September ist. Damit hätte ich rund sieben oder acht Monate Zeit, um darauf hin zu arbeiten. Plus: Ich muss nichts an meiner Wettkampfplanung bis zum Sommer verändern. Die spezifische Vorbereitung für einen (Bestzeit-) Wettkampf dauert ja „nur“ drei bis vier Monate.

Ich habe mir also vorgenommen, den Darmstädter Knastmarathon zu nutzen, um einen ersten Bestzeit-Versuch zu wagen. 3 Stunden und 15 Minuten (-7 Minuten) sollen hier im Ziel auf der Uhr stehen. Dies ist für mich auch gleichzeitig ein erster Test, ob meine Trainingsplanung grundsätzlich funktioniert. Nach der Regeneration von diesem Marathon – im Grunde also eine Woche später 😉 – geht es direkt in die Vorbereitung auf den 3-Stunden-Marathon.

Meine Hoffnung ist, dass ich in Darmstadt bereits ein wenig schneller als 3:15 bin. Denn 15 Minuten „aufzuholen“ und zu trainieren ist schon … ein amtlicher Batzen!

Es ist allerhöchste Zeit, anzufangen!

Das Einzige was mich daran ein wenig stört: Mein Marquardt’scher 16-Wochen-Trainingsplan, mit denen ich bisher immer ganz gut gefahren bin, hätte bereits vor zwei Wochen angefangen! Blödes Timing, aber so ist es nun mal. Ich bin zuversichtlich, dass es trotzdem klappt. Wenn es halbwegs in die richtige Richtung läuft und eine neue Bestzeit herauskommt, dann verbuche ich das bereits als Gewinn auf der Zwischenetappe.

Ich hoffe, dass alles so gut klappt, wie ich mir das vorgenommen habe. 22 Minuten in einem Jahr weg zu trainieren ist ein ordentliches Brett. Aber wie sage ich bei jeder Gelegenheit: Man wächst mit seinen Aufgaben! Im Moment halte ich diese Steigerung durchaus für möglich.

Einen Plan B habe ich allerdings nicht. Falls das Training fruchtlos bleibt, gibt es keine Alternative. Der Münster-Marathon ist die letzte Möglichkeit, dass ich mich für die Teilnahme am Boston Marathon 2018 qualifizieren kann. Wenn ich es hier nicht schaffe, dann kann ich frühestens 2019 in Boston laufen. Ob ich dann nochmals einen Versuch starte, weiß ich noch nicht. Denn immerhin lasse ich mein großes Ziel – den 100-Meiler in 2019 – nicht aus den Augen. Ich behalte das im Hinterkopf und baue ein paar neue Zwischenetappen ein, die am Ende nur wenig Einfluss auf das große Ganze haben.

Vielleicht hecke ich jedoch bis zum Herbst eine neue, andere Idee aus – ich lasse ich da ja offensichtlich recht leicht beeinflussen 🙂

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