Schon lange bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass die VZ-Gruppe eher früher als später den beschwerlichen Weg in das digitale Nirvana nehmen wird. Joel Kaczmarek vom Gründerszene-Blog ist der gleichen Meinung. Wofür mir bisher die richtigen Worte fehlten, formuliert er treffsicher:

Zyniker werfen StudiVZ vor, ein Facebook von vor drei Jahren zu sein und selbst als Fan der Plattform, die gegenüber seinem US-Konkurrenten lange durch seine Einfachheit bestechen konnte, muss man erkennen, dass StudiVZ stehen geblieben ist. Auch wenn das deutsche Social-Network von allen Vorwürfen frei gesprochen wurde, ist offensichtlich, dass Facebook das Vorbild praktisch aller Inhalte war und seit seiner Entstehung hat sich auch nicht viel getan bei StudiVZ & Co. Ein Chat, Apps und der Buschfunk wurden eingeführt, nachdem US-Konkurrent Facebook diese Neuerungen erfolgreich vormachte, eigene Ideen blieben aber größtenteils aus.

Immer mehr Nutzer wandern nun von StudiVZ zu Hauptkonkurrent Facebook ab – ein Umstand, der auch andere Soziale Netzwerke wie Lokalisten oder Wer-kennt-Wen erfasst haben dürfte. Hinzu kommt, dass es StudiVZ bisher nicht wirklich versteht, seine Reichweite nachhaltig zu monetarisieren. Außer Werbeanzeigen wurde kein richtiger Einnahmekanal gefunden. Auch bedingt durch die Sprachbarriere – StudiVZs Versuche, ins europäische Ausland zu expandieren, sind bisher deutlich gescheitert – befindet sich StudiVZ in einer Enklave, und verliert nach zahlreichen Krisen zunehmend Nutzer. Gründerszenes These: Wenn StudiVZ sich in den nächsten Jahren nicht wandelt und mehr Innovationswillen zeigt, wird es die Plattform 2015 so nicht mehr geben. Entweder wird StudiVZ blau angestrichen oder wird vom Netz genommen.

via Gründerszene.

Und es fängt bereits an: Wie MEEDIA berichtet, hat die VZ-Gruppe die Führung im Visit-Ranking der IVW (imho sowieso vollkommen nutzloses Zahlenmaterial, aber das ist ein anderes Feld) verloren. Da hilft jetzt auch der Trick, alle drei VZ-Netzwerke als eines zu zählen nichts mehr.

Ich bin gespannt, was dem Management der Gruppe als nächstes einfallen wird. Vermutlich wie fast jedem Restaurantbetreiber, dem die Gäste ausbleiben: Preise erhöhen. Vielleicht basteln sie ja auch schon an einer Exit-Strategie – das wäre zum derzeitigen Zeitpunkt das einzige, was ich der Holtzbrink-Tochter wirklich zutrauen würde. Ich glaube nämlich nicht, dass dem Holzmedienmanagement ein sinnvolleres Geschäftsmodell einfallen wird, als Anzeigen zu verkaufen.

4 Kommentare

  1. „Ich glaube nämlich nicht, dass dem Holzmedienmanagement ein sinnvolleres Geschäftsmodell einfallen wird, als Anzeigen zu verkaufen.“

    Ich war nie ein großer Freund von den Social Network Seiten, von daher kenn ich mich auch nicht wirklich in der Materie aus. Aber den Spruch fand ich einfach nur klasse.^^ Wenn die bei StudiVZ ähnlich innovativ sind, wie in ihrer klassischen Mediensparte, sind 5 Jahre wahrscheinlich sogar noch wohlwollend. Wär dann aber auch net wirklich schade drum.

    1. Naja Marco, totgesagte Leben länger, sagt man immer. Habe StudiVZs den Abgang ja schon vor über einem Jahr bescheinigt – damals hat mir (wie so oft) noch keiner zugehört ;-)

  2. der verfall der vz gruppe ist überall erkennbar.

    seit ein paar tagen ist nun auch schon in der berliner startup-szene bekannt, dass der erst im juni angetretene neue cto der vz gruppe, volker schmidt, dass unternehmen bereits im september wieder verlassen wird.

    er war der nachfolger des im juni rausgeschmissenen jodok batlogg.

    die dauer dieser managementposition ist selbst für vz verhältnisse extrem kurz.

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